Abschluss

Lernumgebung
Bild: Lisa Kaup

Keine große Erklärung, nur als Einstieg folgendes:
Ein Jahr ist es bald her. Vieles hat sich verändert, einiges ist gleich geblieben und weniges wird bereut. Der Text der hier folgt, entspringt einem kurzen Email-Austausch mit Lisa (Danke!), ich habe mich entschieden, meinen Teil der Konversation ungekürzt zu veröffentlichen. Denn das fehlte an dieser Stelle noch – ein Abschluss. Ohne Regeln, schlechter Rechtschreibung, Wiederholungen, viel zu privat und mit inhaltlichen Brüchen, aber eins: ehrlich.

ich vermisse: peter, jacob, die gemeinsamen kochstunden mit meinen
mitbewohnern. saufen in der vilhelm kiers bar, tanzen zu grottiger
musik, mit dem fahrrad zur uni runterrollen, und nach zwei stunden
wieder zu quälen. ich vermisse den schnee, die schneeballschlachten,
meine gefühlt angebrochene rippe dabei, ich vermisse das lächeln von
schönen frauen, ich vermisse besonders guillaume, rockband zocken,
kochen, rauchen und saufen mit ihm. ich vermisse den dänischen wind
und irgendwie auch den regen, ich vermisse die langen gänge in der
uni. ich vermisse palles komisches denkorgan, ich vermisse die extrem
schweren englischen texte zu blame avoidance. ich vermisse mein
eigenes kleines reich, meine kleine nasszelle in der ich zu beginn
erstmal meine dusche repariert habe, ich vermisse meinen zersprungenen
spiegel, der mir beim badputzen kaputt gegangen ist. ich vermisse
meine billig-billiger-am-billigsten toaststullen mit salami und käse
in der mikrowelle überbacken und ketchup drauf. ich vermisse american
football gucken bis nachts um 3. ich vermisse die tour of chambers,
ich vermisse die straßengeräusche nachts, durch die ich die ersten
wochen nur mit ohrstöpseln schlafen konnte. ich vermisse neuen
aufgeregten sex oder eben
die ungewissheit, allein oder nicht allein
zu sein. ich vermisse das englische dialektwirrwarr und…

(Hier gab es eine zeitliche Unterbrechung von ca. 5 Tagen)

Ich vermisse den Geruch meiner frisch gewaschenen Wäsche, die dank
hochmoderner Waschbar innerhalb von 3 Stunden schrankfertig war. Ich
vermisse wie ich irgendwann netto und fotex-tüten für die wäsche
nehmen musste, weil mir irgendein Depp meinen Ikea-Wäschebeutel
versaut hat. Ich vermisse den Blick auf der Fahrt zur Waschbar in
Guillaumes Zimmer, ob er denn da ist.
Ich vermisse den Sandstrand und dass ich insbesondere die
englischsprachigen Freunde immer wegen ihrer mangelnden Fahrkünste
auslachen konnte, genauso wie die staunenden Blicke wenn ich den Berg
beim Aros Museum mit Beifahrer aufm Gepäckträger hochradelte. Ich
vermisse meine warme Felljacke, die ich irgendwann später in
Deutschland wieder verloren habe.
Ich vermisse das arschteure Fotex, die Hot Dogs in der Stadt für
himmelschreiende fünf Euro. Ich denke an den allerersten Abend in der
“Herr Bartels”-Bar zurück, in der ich Gary, Guillaume usw
kennengelernt habe.
Ich vermisse das gemeinsame Dienstägliche Kochen, mein “Gefühl für die
Pfanne” :D Ich vermisse die superinteressanten Gespräche über Religion
und Menschlichkeit mit Maryam, ihren “Zuckerbrot und Peitsche”-Stil
beim kochen Anleiten. Ich vermisse mein quietschendes Bett und meinen
arschkalten Mini-Flur.

Ich vermisse das Gefühl, weit weg von zuhause zu sein – frei und ohne Verpflichtungen. Nur ich zähle. Nichts und niemand anderes.

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