Dänische Eigenheiten, Teil 1

Eine Nummer, die ich beim Bäcker gezogen habeBild: Lutz Mache | CC

Als ich am Freitag das erste Mal bei einem richtigen Bäcker war (sonst gibt es immer nur das “günstigste” Schwarzbrot aus dem Supermarkt), hab ich nicht schlecht gestaunt: Ich musste doch tatsächlich eine Nummer ziehen! Was ich sonst nur auf Behördengängen und bei IKEA in der Reklamation (“Kundenservice”) erlebt habe, ist nun auch in die gute alte dänische Bäckerstube eingekehrt. Dabei wollte ich nur diese leckeren Mini-Hotdogs und keinen Passierschein A 38 erstehen.

In der näheren Betrachtung macht dieses Nummerngeziehe durchaus Sinn: Die Theke war relativ lang und die Produktauswahl stattlich. Jeder Kunde zieht sich also eine Nummer, läuft die Theke ab, sucht sich die Produkte seiner Wahl aus und muss deswegen nicht befürchten, dass ihm jemand den Platz in der Schlange wegnimmt.

Ich habe meinen Dänisch-Lehrer Carsten Præst danach gefragt und er ist der Meinung, dass jenes Nummernziehen ein Teil der dänischen Kultur sei. Die Dänen sind in einigen Dingen nicht sehr freundlich, insbesondere im Schlange stehen. Es ist also ein Versuch, Ordnung in das dänische Gedränge in der Warteschlange zu bringen. Er erzählte mir das mit einem Augenzwinkern, was mich jedoch nicht davon abhielt, beim nächsten Bankbesuch (ja, auch dort) grinsend eine neue Nummer zu ziehen.

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